Portait eines Babys in Seitenansicht. Das digital, in 3D gemalte, Kind schaut mit offenen Augen in die Welt nach oben. Muster eines genetischen Codes sind über den Kopf und den Oberkörper gezeichnet, an der Seite des Kopfes ist ein Sternsymbol zu sehen. Das Bild wirkt auch durch viele Reflexionen künstlich und futuristisch und ist eine reine Fiktion.
“The Eyes It Has From You, Darling.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Das vorliegende Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt.
© 2021 by Heinz Hermann Maria Hoppe
Alle Rechte vorbehalten


‘TransCRISPRians’/Gentechnologie /// Digitale 3D-Kunst : : :


Design, Baby! : : : Künstlerische Fiktionen


Künstliche Samen streben auf eine ebenfalls künstliche Eizelle zu. Die Eizelle ist von einem futuristisch wirkenden Gitternetz umgeben.
“It Will Make Its Way.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

In der neuen Perspektive streben die Samenzellen weiter auf die Eizelle zu, an der sich weitere Eizellen anschliessen. Das Prinzip der Zellteilung kann erahnt werden. Das künstlerische Bild ist im unteren Teil abgedunkelt.
“We Ordered the Sporty Type.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

In einer weiteren Komposition werden neben den männlichen Samenzellen auch Chromosomen sichtbar, die ebenfalls einen genetischen Code haben. Das digitale Werk ist dynamisch aufgebaut und wie alle Bilder dieser Bildserie digital in Gelb-Brauntönen gemalt.
‘“It Will Be Such a Beautiful Child.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Viele Chromosomenpaare schweben frei im Raum umher. Alle Chromosomen sind genetisch codiert.
‘“It Will Be Sooo Cute!” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Technisch und futuristisch anmutende Eizellen sind umgeben von vielen Chromosomen und Zellgewebe.
“Grandfather Would Have Been So Proud of Us!” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

In einer Science-Fiction-Kulisse mit High-Tech-Brutkaesten liegen Babys. Im Vordergrund ist ein liegendes Kind mit dem Muster von Chromosomen abgebildet.
“We Will Call It Goldie.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Viele Designer-Babys reihen sich in einer fantastischen Kulisse auf. Daneben sind viele Buchstaben im Raum verteilt, die mit den ausgewählten Buchstaben A,C,G,T in der Vererbungslehre für Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin stehen.
“They Are So Easy to Care for. Really!” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Die letzte Einstellung der Bildserie zeigt die Nahaufnahme eines Designer-Babys, das frei im Raum schwebt.
“It Will Become Stone Old.” Aus der Bildserie ‘TransCRISPRians’ / 2021 / Digitale 3D-Kunst / Belichtung auf Fujiflex glänzend, kaschiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Kommentar
Autor: Heinz Hermann Maria Hoppe

Schutzgesetze für Embryonen und internationale Biomedizin-Konventionen sollen begrenzen, was Forscher in ihren Experimenten an humanen Keimzellen erwägen dürfen. Dementgegen eröffnete der Chinese He Jiankui 2018 der Weltöffentlichkeit, dass er die Zwillingsmädchen Lulu und Nana gentechnisch manipuliert hatte. Biowissenschaftler und Ethiker aus sieben Ländern forderten daraufhin einen freiwilligen und vorläufigen Verzicht auf die Schaffung von ›Designer-Babys‹.1


Manipulationen am Erbgut verbessern Erträge. Was bei ausgewählten Nutzpflanzen trotz vieler Gegner längst reiche Ernten einfährt, könnte in Zukunft auch auf Basis menschlicher Keimbahnen Anreize für große Geschäfte liefern. Ohne gesetzliche Einschränkungen wären gentechnische Dienstleistungen für bessere Gesundheit, höhere Intelligenz und größere Schönheit wohl schon längst zu milliardenschweren Märkten mutiert. Noch werden Risiken zu Nebenwirkungen und Langzeiteffekten intensiv erforscht. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist auch noch nicht reif für den Markt. Noch gibt es für Genmanipulationen am Menschen im industriellen Maßstab keine ›Preislisten‹. Die Betonung liegt auf noch.

Denn die Diskussionen werden lebhafter geführt. Wer hätte auch kein Verständnis für eine Mutter, die ein Kind ohne Gendefekt auf die Welt bringen möchte? Die Liste möglicher Erbkrankheiten ist lang und reicht von schwersten Intelligenzminderungen über Entstellungen und Krebstumore bis hin zu progressivem Muskelschwund.2 Wäre vor dem Hintergrund so schwerer Schicksalsschläge und lebenslanger Opfer eine stärker eingreifende Humangenetik nicht gar menschliche Pflicht? Wäre es nicht nur zu verantworten, sondern ethisch geboten, genetisch exakt geplante und optimierte Embryos zu ›erzeugen‹? Sollten wir nicht das unsagbare Leid verhindern, wenn todkranke Kinder ausgetragen oder abgetrieben werden?

Mit dem 1990 gegründeten Humangenomprojekt wurden die 19.969 Gene des Menschen entschlüsselt. Seit Mai 2021 liegt der Code des menschlichen Genoms vollständig offen vor uns.3 Die Entwicklung eines mächtigen Werkzeugs, die Genschere nach der CRISPR/Cas9-Methode, wurde 2020 mit dem Nobelpreis für Chemie belohnt.4 Die Menschheit steht damit an neuen gentechnischen Schwellen, mit sich weit öffnenden Türen in die Synthetische Biologie.

›Designer-Babys‹ könnten gesünder und von Allergien befreit sein, sie könnten länger leben, größer, schöner und sportlicher sein. Sie könnten mit mehr Intelligenz und mit gewählten Geschlechtern ausgestattet sein. Ein Baby könnte aus Bio-Bausteinen zusammengesetzt werden, wie ein technisches ›System‹. Aber an welcher Stelle in den Reagenzgläsern und Petrischalen wollen wir die Grenzen hausgemachter Evolution ziehen? Wann würden wir anfangen, ›Gott zu spielen‹ und das Leben an sich fundamental zu hintergehen?

Innerhalb des Forschungsfeldes der Technikfolgenabschätzung gilt der Grundsatz, das Anwendungen niemals nur ihr Arbeitsziel erfüllen.5 Langzeiteffekte, Nebenwirkungen und Restrisiken spielen bei komplexen Systemen immer tragende, oftmals unterschätzte Rollen, die erzielte Vorteile einer Innovation überschatten können. Übertragen auf die Entwicklung der Gentechnologie stellen sich schwerwiegende Fragen: Welche neuen, unbekannten und möglicherweise noch schrecklicheren Krankheiten könnten durch Eingriffe ins Erbgut erst entstehen? Hat ein Kind nicht das grundsätzliche Recht auf den Zufall der Vererbung? Was wäre, wenn ein Mensch sich zum Beispiel im späteren Verlauf seines Lebens keine blauen Augen oder kein hohes Alter gewünscht hätte? Haben Eltern das Recht, Merkmale zu definieren, mit denen ein Kind, eine ganze Existenz lang, leben müsste?

Was würde dann überhaupt noch ein selbstbestimmtes Leben kennzeichnen? Was wäre schon krank, was noch gesund? Wo würde natürliches Leben enden und wo würde künstliches Leben beginnen? Wer dürfte die Schönheit eines Kindes bewerten? Wo würde die Verantwortung als Elternteil dem ungeborenen Leben gegenüber enden? Was wäre gesellschaftlich gerecht und moralisch noch vertretbar? Was geschähe bei Komplikationen durch Manipulationen vor und nach der Geburt und wer würde dafür haften? Wo lägen Eingriffstiefen und wirtschaftliche Grenzen? Wie könnte man Kinderkrankheiten in der ›Produktionsphase‹ sicher ausschließen? Wie wollte man kommerzielle Missbräuche in Form von ›Katalogkindern‹ mit käuflichen Ausstattungsmerkmalen verhindern?

Normale und Genmanipulierte könnten Klassengesellschaften bilden. Wie würde man Machtkämpfen unter ›Superkindern,‹ ›Primadonnen‹ und ›Diven,‹ ›Intelligenz-‹ und ›Techbestien‹ begegnen? Wäre ein friedliches Zusammenleben langfristig überhaupt möglich oder könnte sich die Übervorteilung der Genmanipulierten gegenüber den Natürlichen zu Bürgerkriegen aufschaukeln, wenn Benachteiligungen in großem Maßstab spürbar würden?

Bei weiter Verbreitung der genetischen Verfahren könnten sich Menschen äußerlich und intellektuell aber auch immer weiter angleichen. Welche Folgen hätte dies für die Weiterentwicklung von Gesellschaften? Standardisierte Genmodule, zusammengesetzt nach ingenieurwissenschaftlichen Prinzipien, würden in die Selbststeuerungsprozesse des Lebens und der Evolution eingreifen. Welche ethischen Folgen würden sich daraus ergeben? Wo würden die absoluten Grenzen für genetische Manipulationen liegen? Welche psychologischen Auswirkungen hätten Manipulationen auf Individuen und Beziehungsgeflechte?

›Transhumanisten,‹ ›Posthumanisten‹ und ›Futuristen‹ fordern schon länger, die Evolution proaktiv zu beschleunigen, statt den menschlichen Intellekt künstlich auszubremsen. Nano- und Biotechnologie, regenerative Medizin, Computer-Gehirn-Schnittstellen, das Auslagern bereits gedachter Daten auf digitale Speichermedien oder intelligente Prothesen sollten, ihrer Meinung nach, möglichst zeitnah hyperintelligente ›Humans‹ mit überragenden körperlichen Fähigkeiten erschaffen, um die vielen Probleme der Welt besser lösen zu können.6 Auch ›Bio-Hacker‹ wollen bisherige Leistungsgrenzen von Körper und Geist nach Vorne verschieben.

Das hätten sich die Pioniere der Vererbungslehre, Gregor Johann Mendel, Frederick Griffith oder James Watson & Francis Crick wohl nicht träumen lassen: dass ihre Theorien einmal die Grundlagen für die Erschaffung neuartiger Menschen abbilden könnten. Gott würfelt in den letzten Jahren jedenfalls weniger. Bereits im Jahr 2000 wurde das erste ›Designer-Baby‹ der Welt mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik geboren. Längst ist die In-Vitro-Fertilisationen (IVF) keine Science-Fiction mehr. Bei der künstlichen Befruchtung der Eizelle, unter dem Mikroskop, werden nur ausgewählten Spermien eingelassen. Der Rücktransfer des befruchteten Eis in den Gebärmutter ist längst Routine.7


»Ich mag verhaftet werden, ich mag ins Gefängnis geschmissen werden, aber ich werde nie Ruhe geben! Ich werde nie Autoritäten dulden oder mich ihnen fügen, noch werde ich Frieden machen mit einem System, das Frauen zu nichts als einem Brutkasten degradiert!«

Emma Goldmann


Könnte unsere Fortpflanzung mithilfe zukünftiger, Synthetischer Biologie so aussehen, wie im Science-Fiction-Klassiker Blade Runner? In dem Kultfilm sind Replikanten mit herausragender Kraft und Intelligenz nicht mehr von natürlichen Menschen zu unterscheiden. Würden Horrorvisionen Wirklichkeit werden, wenn die Forschung Chromosomensätze und Embryonen frei handhaben dürfte? Und warum sollte man eigentlich nicht, irgendwann einmal, einen Menschen mit vier Augen oder einem Zusatzgehirn versuchen? Dann gäbe es da noch das weite Feld der ChimärenMary Shelley mit ihrer Erzählung ›Frankenstein‹ und Aldous Huxley mit seinem Roman ›Schöne neue Welt‹ lassen grüßen.

Die Bezeichnung ›Übermenschen‹ ist in Zukunft also wahrscheinlich nicht mehr nur Geschichte. Das Wort tauchte bereits in dem Werk ›Also sprach Zarathustra‹ (1883–85) des Philosophen Friedrich Nietzsche auf.8 Den Weg des Menschen zum ›Übermenschen‹ verglich er mit dem Weg vom Affen zum Menschen. Der wissenschaftliche Name für die seinerzeit als visionär geltenden Neuschöpfungen sollte ›Homer superior‹ oder ›Hyperanthropos‹ lauten. ›Eugenische Fragen‹ wurden bereits während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und in England während der Zeit des Burenkrieges breit diskutiert. Aus Sicht der Nazis, die sich gerne in Nietzsches Werk bedienten, war der Weg vom ›Übermenschen‹ zum ›Herrenmenschen‹ konsequent. Ein höherer biologischer Typus sollte die Reinhaltung durch Aussortierung und Vernichtung von ›lebensunwertem Leben‹ und ›unreinem Blut‹ gewährleisten. ›Herrenmenschen‹ duldeten keine ›Untermenschen‹ in ihren Reihen: Juden, Zigeuner und Behinderte vertrugen sich nach ihren Grundsätzen nicht mit einer ›Erbgesundheitslehre‹, damals auch ›Erbpflege‹ und ›Rassenhygiene‹ genannt.9

Die künstliche Veränderung menschlicher Keimbahnzellen ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz (ESchG, Stand 2020) verboten. Die Bundesregierung »[…] nimmt die Beiträge des Deutschen Ethikrats wie auch die anderer relevanter Gremien, Arbeitsgruppen oder einschlägig qualifizierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufmerksam zur Kenntnis.«10 Debatten um das Für und Wider werden emotional geführt, das Thema Gentechnologie spaltet weiterhin die Lager. Der Deutsche Ethikrat schlussfolgert in seiner Stellungnahme 2019: »Aus der ethischen Analyse ergibt sich keine kategorische Unantastbarkeit der menschlichen Keimbahn.«11

Patent-Streitigkeiten belegen das Interesse der Industrie an globalen Gentechnologie-Märkten. Anti-Aging und Enhancement sind fruchtbare und wachstumsorientierte Felder. Auch die Militärforschung dürfte an leistungssteigernden Verfahren für ihre Soldaten interessiert sein. Auf Basis von genetischen Berechnungen zu gespendeten Spermien und Eizellen wurde in den USA bereits im Jahr 2013 ein Kalkulator patentiert, der Wahrscheinlichkeiten für Körpergröße, Krebsrisiko oder Laktose-Verträglichkeit eines Wunschkindes prognostizieren kann.12 Tag und Nacht analysieren Sequenziermaschinen in China die Genome von Menschen, Tieren und Pflanzen. Das Marktpotential für ›Designer-Babys‹ soll dort riesig sein. Der Traum: Alle Lebewesen auf diesem Planeten zu sequenzieren. Das Ziel: patentierter Mais, geklonte Hochleistungskühe, Söhne wie Drachen und volles Haar. Und wenn erst einmal die DNA eines jeden Bürgers sequenziert ist, kann auch jedes Vergehen eindeutig einer Hautschuppe zugeordnet werden.13

2021 haben internationale Wissenschaftler erstmals menschliche Zellhaufen (Blastozysten) erschaffen, die frühen Embryonen ähneln. Die Begeisterung der Forscher reduziert sich aktuell noch auf die Grundlagenforschung. Weil die gesetzlichen Regeln für solche Versuche in Deutschland stringenter sind, entscheiden sich viele Wissenschaftler gegen unseren Wirtschaftsstandort. Das erhöht den Druck auf politische und ethische Grundsatz-Entscheider, auch aus den eigenen Reihen der Parteien.14

Biosafety gegenüber Biocrime und Bioterror setzt Biosecurity voraus. Denn die Synthetiche Biologie ist eine sogenannte Dual-Use-Technologie, eine ›Medaille mit zwei Seiten‹. Design und Synthese von Genen und Genomen beinhalten ein Mißbrauchsrisiko, zum Beispiel in Form von lebensfähigen, sich eigenständig replizierenden, biologischen ›Systemen‹.15 Das solche ›Produktionen‹ nicht nur gesunde Babys sondern auch ungeahntes Elend in die Welt setzen könnten, ist durch die COVID-Pandemie anschaulicher geworden. Open Science und die CRISPR/Cas9-Genschere schaffen leichtere Voraussetzungen für gefährliche Manipulationen am menschlichen Genom. Gezielte genetische Eingriffe sind mit dem neuen Werkzeug praktisch in jedem molekularbiologischen Labor möglich geworden.16

»Die Biotechnologie wird nicht geduldig darauf warten, dass die natürliche Selektion ihren Zauber entfaltet.«17 Weil auch industrielle Produkte eine Art Evolution durchlaufen, werden gentechnische Innovationen schleichend, Schritt für Schritt, an uns herangetragen werden. Wir werden also noch etwas Zeit bekommen, uns an den Cyborg in uns zu gewöhnen.


Quellen- und Literaturverzeichnis:

1 Vgl. RND Redaktionsnetzwerk Deutschland/asu: Designer-Babys: Wann sind Eingriffe ins Erbgut gerechtfertigt? In: Hannoversche Allgemeine vom 09.05.2019, 18:23 Uhr. URL: https://www.haz.de/ Nachrichten/Wissen/Uebersicht/ Ethikrat-Designer-Babys- Wann-sind-Eingriffe- ins-Erbgut-gerechtfertigt (Abgerufen: 08. August 2021, 15:18 UTC).

Vgl. auch Alina Schadwinkel: Crispr-Entdecker fordern weltweiten Stopp von Embryonenversuchen In: ZEIT ONLINE vom 13.03.2019, 19:01 Uhr. URL: https://www.zeit.de /wissen/gesundheit/2019-03 /crispr-genschere- gentechnik-keimbahn- menschenversuch/komplettansicht #print (Abgerufen: 09. August 2021, 13:00 UTC).

2 Vgl. Liste von Erbkrankheiten. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Januar 2021, 11:07 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/ w/index.php?title=Liste_ von_Erbkrankheiten &oldid=207632232 (Abgerufen: 08. August 2021, 15:39 UTC).

3 Vgl. Humangenomprojekt. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Juli 2021, 14:20 UTC. URL: https://de.wikipedia.org /w/index.php?title=Humangenomprojekt&oldid=213761986 (Abgerufen: 08. August 2021, 13:49 UTC).

4 Vgl. The Nobel Prize in Chemistry 2020. In: NobelPrize.org. Nobel Prize Outreach AB 2021. Sun. 8 Aug 2021. URL: https://www.nobelprize.org /prizes/chemistry/2020/ press-release/ (Abgerufen: 08. August 2021, 16:00 UTC).

5 Vgl. Technikfolgenabschätzung. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 05. Mai 2021, 20:12 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/ w/index.php?title=Technikfolgenabsch%C3%A4tzung &oldid=211647156 (Abgerufen: 08. August 2021, 14:10 UTC).

6 Vgl. Transhumanismus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. Mai 2021, 09:28 UTC. URL: https://de.wikipedia.org /w/index.php?title=Transhumanismus&oldid=212151038 (Abgerufen: 08. August 2021, 14:38 UTC).

7 Vgl. Präimplantationsdiagnostik. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. April 2021, 20:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org /w/index.php?title=Pr%C3%A4implantations diagnostik &oldid=210908467 (Abgerufen: 08. August 2021, 14:58 UTC).

8 Vgl. Übermensch. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juni 2021, 20:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org /w/index.php?title=%C3%9Cbermensch&oldid=213115062 (Abgerufen: 08. August 2021, 15:05 UTC).

9 Vgl. Eugenik. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Juli 2021, 09:54 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/ w/index.php?title=Eugenik &oldid=213754813 (Abgerufen: 08. August 2021, 15:17 UTC).

10 Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Mario Brandenburg, Katha Suding, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/24773 –, Drucksache 19/25507, Deutscher Bundestag, 19. Wahlperiode vom 21.12.2020, S. 3. URL: https://www.bundestag.de /presse/hib/ 815324-815324 (Abgerufen: 08. August 2021, 15:55 UTC)

11 Eingriffe in die menschliche Keimbahn. In: Stellungnahme Deutscher Ethikrat vom 9. Mai 2019, S. 232. URL: https://www.ethikrat.org /fileadmin/Publikationen /Stellungnahmen/deutsch /stellungnahme-eingriffe- in-die-menschliche-keimbahn.pdf (Abgerufen: 09. August 2021, 13:24 UTC)

12 Vgl. Dennis Ballwieser: US-Patent bahnt den Weg zum Designer-Baby In: SPIEGEL Gesundheit vom 04.10.2013, 18:19 Uhr. URL: https://www.spiegel.de /gesundheit/schwangerschaft /23andme-erhaelt-patent- fuer-die-auswahl-genetischer- merkmale-bei-babys- a-926139.html (Abgerufen: 09. August 2021, 14:18 UTC).

13 Vgl. Hendrik Ankenbrand: Gentechnik in China, Phönix aus der Flasche In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaft vom 29.04.2016, 11:36 Uhr. URL: https://www.faz.net/ aktuell/wirtschaft/ menschen-wirtschaft/gentechnik -in-china-phoenix-aus- der-flasche-14205026.html (Abgerufen: 09. August 2021, 14:38 UTC).

14 Vgl. Redaktionsnetzwerk Deutschland/RND/dpa/fwt: Ethische Fragen nach Durchbruch: Forscher schaffen menschliche Embryonenmodelle In: Hannoversche Allgemeine vom 17.03.2021, 18:25 Uhr. URL: https://www.rnd.de /wissen/ethische-fragen-nach- durchbruch-forscher-schaffen- menschliche- embryonenmodelle- ZMNRTTFWVZFWDPK3 ZBJE7WIPKA.html (Abgerufen: 09. August 2021, 14:56 UTC).

15 Vgl. Technikfolgenabschätzung (TA), Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie, Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (18. Ausschuss) gemäß § 56a der Geschäftsordnung, Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, Drucksache 18/7216 vom 07.01.2016, S. 73 ff. URL: https://dip21.bundestag.de /dip21/btd/18/072 /1807216.pdf (Abgerufen: 09. August 2021, 15:20 UTC)

16 Vgl. Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2021 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), Drucksache 19/30785, Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode, S. 72. URL: https://dserver. bundestag.de/btd/19 /307/1930785.pdf (Abgerufen: 09. August 2021, 15:45 UTC)

17 Harari, Yuval Noah: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen. C.H.Beck München: 10. Auflage 2019, S. 73.


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